White Gold Fever: Germany's Asparagus Obsession

Wenn in Deutschland der Frühling Einzug hält, bricht eine landesweite Hysterie aus. Doch es geht nicht um die ersten Sonnenstrahlen oder blühende Bäume, sondern um ein Gemüse: den weißen Spargel. Über Nacht tauchen an Straßenrändern und auf Marktplätzen kleine Holzbuden auf, die ausschließlich das „weiße Gold“ verkaufen. Für wenige Wochen im Jahr wird Spargel zum Mittelpunkt unzähliger Gespräche, Einkaufslisten und Speisekarten. Er ist nicht nur eine Zutat, er ist ein saisonales Ereignis, das mit einer fast religiösen Hingabe zelebriert wird.
Die Zubereitung folgt strengen Ritualen. Traditionell wird der Spargel gekocht und mit neuen Kartoffeln, gekochtem oder rohem Schinken und großzügig Sauce Hollandaise serviert. Ein Schnitzel ist ebenfalls ein beliebter Begleiter. In dieser Zeit bieten Restaurants spezielle „Spargelkarten“ an, und Familien planen Ausflüge zu Spargelhöfen, um das Gemüse direkt vom Feld zu kaufen. Man diskutiert leidenschaftlich über die perfekte Dicke der Stangen und die cremigste Sauce, als handele es sich um eine Staatsangelegenheit.
Dieser Kult hat einen einfachen Grund: Die Saison ist gnadenlos kurz. Sie endet traditionell am 24. Juni, dem Johannistag, der auch spöttisch „Spargelsilvester“ genannt wird. Diese Vergänglichkeit macht jede Mahlzeit zu etwas Besonderem. Der Spargel ist ein Symbol für Regionalität, für den Geschmack der Heimat und die Freude am Genuss im richtigen Moment. Wer die Spargelzeit verpasst, muss ein ganzes Jahr auf die nächste Chance warten – eine für viele Deutsche unvorstellbare Vorstellung.
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