The Weekly Sweep: Germany's Cleanliness Cult

In vielen deutschen Mehrfamilienhäusern, besonders im Schwabenland, existiert ein ungeschriebenes Gesetz, das fast heiliger ist als die Sonntagsruhe: die Kehrwoche. Hierbei handelt es sich um einen strengen Reinigungsplan, bei dem die Bewohner wöchentlich abwechselnd für die Sauberkeit von Treppenhaus, Keller und Gehwegen verantwortlich sind. Ein spezielles Schild, oft ein einfacher Holzblock mit der Aufschrift „Kehrwoche“, wird wie ein Staffelstab von einer Partei zur nächsten weitergereicht und symbolisiert die Übergabe der ehrenvollen, aber gefürchteten Pflicht.
Doch die Kehrwoche ist weit mehr als nur Putzen. Sie ist ein soziales Phänomen, ein Mikrokosmos deutscher Gründlichkeit und Nachbarschaftskontrolle. Wehe dem, der seine Pflicht vernachlässigt! Missbilligende Blicke im Flur, passiv-aggressive Zettel an der Pinnwand oder gar eine direkte Ermahnung sind die Folge. Die penible Einhaltung des Plans wird zur Charakterprüfung, und ein nicht gefegter Kellergang kann schnell zu einer handfesten Nachbarschaftskrise führen.
Letztlich spiegelt die Kehrwoche eine tief verwurzelte deutsche Mentalität wider: das Bedürfnis nach Ordnung, klaren Regeln und gemeinschaftlicher Verantwortung. Es ist die institutionalisierte Form des Prinzips „Ordnung muss sein“. Auch wenn sie oft für ihre Spießigkeit belächelt wird, zeigt sie doch, wie ernst die Deutschen die Pflege des gemeinsamen Raumes nehmen – eine Verpflichtung, die mit fast religiösem Eifer erfüllt wird.
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