Beware the 'Zug': Germany's National Fear of Drafts

In Deutschland existiert ein unsichtbarer Feind, der in Büros, Zügen und Wohnzimmern für Unruhe sorgt: die Zugluft. Was für viele Nationen eine willkommene Brise ist, wird hierzulande als direkte Bedrohung für die Gesundheit angesehen. Ein offenes Fenster gegenüber einer offenen Tür ist kein Zeichen für gute Lüftung, sondern ein sicheres Rezept für Nackensteifheit, Erkältungen und allerlei Leiden. Diese tief verwurzelte Angst vor dem „Zug“ ist ein kulturelles Phänomen, das Außenstehende oft verwirrt.
Die Reaktionen auf eine wahrgenommene Zugluft sind oft unmittelbar und dramatisch. Der Satz „Es zieht!“ löst sofortige Handlungen aus: Fenster werden geschlossen, Türen zugeworfen und Schals enger um den Hals gewickelt, selbst im Hochsommer. In sozialen Situationen führt dies zu komplexen Verhandlungen. Die Debatte, ob ein Fenster geöffnet werden darf oder nicht, kann am Arbeitsplatz zu ernsthaften diplomatischen Krisen führen. Es ist ein stiller Kampf zwischen Frischluftfanatikern und den Zugluft-Phobikern.
Woher kommt diese fast irrationale Furcht? Vielleicht ist es der deutsche Wunsch nach Ordnung und Kontrolle, selbst über die Luftmoleküle im Raum. Oder ein Überbleibsel aus Zeiten, in denen undichte Fenster eine echte Gefahr darstellten. Was auch immer der Grund ist, die Angst vor der Zugluft bleibt eine liebenswerte und zugleich verblüffende Eigenheit, die zeigt: In Deutschland nimmt man die unsichtbaren Gefahren des Alltags sehr, sehr ernst.
Interactive reading tips
Click any word to see its translation, sentence context, and example usages. On mobile devices the details appear in a bottom sheet; on desktop they stay visible in the sidebar.